Naturdämmstoffe – Fakten statt Vorurteile Teil 1
Naturdämmstoffe – Fakten statt Vorurteile Teil 1
Naturdämmstoffe – energetisches Sanieren der Zukunft?
Wer sein Haus energetisch sanieren will, um damit die Energiekosten zu verringern, der hat die Qual der Wahl. Viele Fragen schwirren im Kopf.
Wer etwas in die Materie einsteigt bemerkt, dass die Nutzung von Polystyrolplatten als Wärmedämmung kontrovers diskutiert wird.
Sind Naturdämmstoffe also besser?
Oft werden Naturdämmstoffe wie Holz, Zellulose, Schafwolle oder Jute als teure Nischenprodukte dargestellt. Dieses negative Image hat sich in der öffentlichen Wahrnehmung verbreitet. Der folgende Blogartikel stellt die häufigsten Vorurteile gegenüber Naturbaustoffen zusammen und entkräftet diese.
Unter dem Begriff „Naturdämmstoffe“ werden Dämmstoffe aus Materialien pflanzlicher, tierischer und mineralischer Herkunft zusammengefasst. Dämmprodukte aus pflanzlichen und tierischen Materialien werden aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Deshalb werden sie manchmal auch als „nachwachsende Dämmstoffe“ bezeichnet. Natürlich enthalten einige dieser Produkte in der Praxis synthetische Zusatzstoffe. Zum Beispiel um sie vor Brand, Feuchtigkeit oder Schädlingen zu schützen. Ein Dämmstoff kann dennoch als „natürlicher Dämmstoff“ bezeichnet werden, wenn synthetische Zusätze nicht mehr als 25 % des Materialanteils ausmachen 1.
1. Vorurteil: Naturdämmstoffe haben eine schlechte Dämmwirkung
Wärmeleitfähigkeiten unter 0,05 W/(mK) garantieren eine gute wärmedämmende Wirkung.
Holzfaserdämmplatten Wärmedämmungswert zwischen (0,038 und 0,045 W/(mK)) sind für den sommerlichen Hitzeschutz sehr gut geeignet, um die Spitzen abzumildern und für ein angenehmes Klima im Sommer zu sorgen.
Vorurteil 2: Naturdämmstoffe = erhöhte Brandgefahr
In Deutschland gibt es sehr strenge Brandschutzvorschriften. Dafür gibt es folgende Kategorien:
- A = nicht brennbar
- B1 = schwer entflammbar
- B2 = normal entflammbar
- B3 = leicht entflammbar
Stoffe der Kategorie B3 dürfen bei Bauvorhaben nicht eingesetzt werden. Naturdämmstoffe erfüllen normalerweise die Kategorie B2 und sind für viele Einsatzzwecke beim Bau zugelassen. Die Angst, dass Holz- oder Strohdämmung schnell brennt, wurde von einigen Prüfstellen widerlegt.
Bei einer bauaufsichtlichen Prüfung konnte zum Beispiel eine strohgedämmte Außenwand mit beidseitigem Kalkputz dem Feuer über 90 Minuten standhalten und wurde damit der höchsten Feuerwiderstandsklasse zugeordnet (F90 „feuerbeständig“ nach DIN 4102-2) 2.
Fazit: Wenn zugelassene Naurdämmstoffe sachgemäß und nach geltenden Brandschutzvorschriften eingesetzt werden, gibt es keine erhöhte Brandgefahr.
3. Vorurteil: Naturdämmstoffe schimmeln schnell
Ein weit verbreitetes Vorurteil ist, dass Naturdämmstoffe schnell schimmeln und lästige Stockflecken entstehen.
Wenn Sie tatsächlich Schimmel in Ihren Zuhause entdeckt haben, hilft Ihnen vielleicht der Blogbeitrag:
„1-2-3 schimmelfrei! Erste Hilfe bei Schimmelbefall. Wie Sie Schimmel entfernen.“
Schimmel entsteht, wenn Luftfeuchte nicht nach Außen gelangen kann oder feuchte Luft auf eine kalte Oberflächen trifft. Außerdem fühlen sich Schimmelpilze auf vielen Oberflächen wohl. Naturdämmstoffe werden von Schimmelpilzen nicht bevorzugt. Was ist nun der Vorteil von Naturdämmstoffen? Naturdämmstoffen können in der Regel erheblich mehr Wasserdampf aus der Raumluft aufnehmen als konventionelle Dämmstoffe, ohne ihre Dämmwirkung einzubüßen. Außerdem können sie Feuchtigkeit schnell wieder an die Oberfläche transportieren, wo sie wieder verdunstet wird. Das sorgt in Räumen für eine ausgeglichene Raumtemperatur, bei gleichbleibender Luftfeuchtigkeit. Bewohnern von Häusern, die mit Naturdämmstoffen gedämmt sind berichten häufig von einem besonders angenehmen Wohnklima. Schlussendlich lässt sich zusammen fassen: Wenn beim Einsatz von Naturdämmstoffen allgemeine bauliche Regeln befolgt werden, gibt es keine erhöhte Gefahr für Schimmel- oder Algenbildung.
Fazit: Wenn Naturdämmstoffe sachgerecht verbaut werden, gibt es kein erhöhtes Risiko für Schimmelbildung. Das Gegenteil ist bei vielen Anwendungen der Fall. So gibt es zum Beispiel eine bereits zugelassene und funktionierende Konstruktion einer Innendämmung der Außenwand mit Weichfaserplatten und Lehm, wobei keine Dampfbremse zum Einsatz kommt. Die Konstruktion funktioniert, weil der Holzfaserplatten aufnahmefähig für Feuchte ist, diese puffern und nach Außen weiterleiten kann. Dadurch bleibt die Konstruktion trocken und es kommt nicht zur Schimmelbildung. Konventionelle Dämmstoffe können für solche Konstruktionen nicht eingesetzt werden. Sie können die Feuchtigkeit nicht puffern und weiterleiten und würden schimmeln.
Quellen
1.) Forschungsinstitut für Wärmeschutz e.V. München (FIW): Technologien und Techniken zur Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden durch Wärmedämmstoffe, Metastudie Wärmedämmstoffe – Produkte –Anwendungen – Innovationen, Bericht FO-12/12, 2013 (FIW: Metastudie Wärmedämmstoffe – Produkte – Anwendungen – Innovationen); Pfundstein, M.; Gellert, R.; Spitzner, M.H.; Rudolphi, A. : Dämmstoffe. Grundlagen, Materialien, Anwendungen. Edition Detail, 1. Auflage 2007.
2.) Allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis, iBMB/MPA – P-3048/817/08- MPA BS vom 08.12.2014.